DIE HEIMATGESCHICHTE DER TREBBINER ORTSTEILE

Vom Werden und Wachsen - Archiv zur Historie

 
Ansichtskarte um 1900 (Ausschnitt)Luftbild Glau ©Willy-Fred Thoms

Ortsschild Glau

 

Die LPG "Freier Bauer" in Glau

Erzählt von Gerhard Kauert und Roland Vetter

 

Auszug aus 

Geschichte und Geschichten aus Glau zum 650. Jahrestag der Ersterwähnung

Zusammengetragen und aufgeschrieben von Willy-Fred Thoms

 

Nach dem 2. Weltkrieg wurde viel von den Klein- und Großbauern verlangt.

Sie sollten die Grundversorgung an Fleisch, Getreide und Milch für die Bevölkerung erarbeiten. Für einige waren die Auflagen durch die Regierung und die sowjetische Besatzung nicht zu erfüllen.

Ihnen blieb nach der Abgabe selbst kaum noch etwas für ihre Familie zum Leben. Sie verließen ihren Grund und Boden in Richtung Westen.

So auch Gustav Schmädicke. Die Familie ließ er zurück.

 

Die erste LPG in Glau wurde im Frühjahr 1960 gegründet, als LPG - Typ I.

Die Bauern Gerhard Kauert, Gerhard Theuer (1976†,) Horst Kauert(1984†), Fritz Brauer(1995†), Richard John, Alfred Braune, Bernhard Kieburg (2001†)  und Gerhard Paetz (2008†) brachten rund 65 ha Ackerland in diese LPG.

Die Mitglieder einigten sich auf den Namen "Goldene Sonne". Zum Vorsitzenden wurde Gerhard Kauert gewählt.

...

Aber schon wenig später sprangen einige Großbauern ab und im Herbst desselben Jahres wurde die LPG - Typ III  gegründet.

Als Vorsitzender wurde Steffen Prybilla von der Vollversammlung der LPG gewählt.

Dieter Pries war ab 1968 sein Nachfolger, ab 1972 Ilse Sobeck, ab 1979 wurde dann Roland Vetter (2014†) der Vorsitzende der LPG (T) Trebbin.

 

Schon 1960 besaß die LPG Typ III mit dem Namen "Freier Bauer" einen Kran T172, den sich die Dörfer in der näheren Umgebung ausborgen konnten. 1960 begann der Bau eines Futterhauses, 1962 der Bau eines Hühnerstalls auf dem Grundstück der Familie Paetz (heute Glauer Dorfstraße 6) Typ "Egelinde", der schon Ende der 60-er wieder abgerissen wurde.

 

1963 baute die LPG eine Fuhrwerkswaage bis 15 Tonnen auf dem Dorfplatz.

 

1964 entstanden eine Rinderstallanlage für 100 Milchkühe und ein Bergeraum.

 

1965 wurde eine Traktorengarage mit Werkstattraum aus einer Scheune errichtet.

 

1967 erhielt die LPG "Freier Bauer" auch noch eine Tankstelle mit einer Kapazität von 7500 Liter. Auch auf privatem Boden wurde für die LPG gebaut. So ist auf dem Grundstück von Gustav Schmädicke, heute Altglau 2, 1966 ein Läuferstall für 40 Tiere durch Um- und Ausbau entstanden.

1967  hatte die LPG 44 Beschäftigte.

 

1974 waren es nur noch 28 Mitarbeiter. 

Anfang der 70-er Jahre kam es zum Zusammenschluss zu einer LPG Tierproduktion der Gemeinden Glau und Löwendorf.

Ende der 70-er Jahre fanden sich weitere Gemeinden: Blankensee, Schönhagen, und Stangenhagen dazu und es entstand die LPG (T) Trebbin, Sitz Löwendorf.

1972 entstand in Löwendorf, der Neubau eines Durchfahrsilos. Es wurden neben Milchkühen aber auch Schweine in Glau gezüchtet.

Hinter dem jetzigen Pferdestall bei Gerd Kauert (Glauer Dorfstraße 20) befanden sich sogenannte Schweinepilze, runde Futterstellen mit Überdachung und auch ein Schweinestall (heute der kleine Pferdestall).

 

Ab 1978 verschwanden die Milchkühe aus dem Ort.

Sie wurden nach Löwendorf, Schönhagen und Stangenhagen gebracht.

Aus dem alten Stall ist nach Umbau eine Bullenmastanlage (Bullenstall, Bergeraum und Futterhaus) entstanden, der am 08.01.1983 seiner Benutzung übergeben wurde. Damals arbeiteten 120 Menschen dort, Tierpfleger, Mechanisatoren, Melker usw.

 

Noch 1989 wurden in den Ställen 30 Rinder und 40 Schweine gehalten.

 

Nach der "Wende" arbeiteten die Vorstände der LPG (T) Trebbin und der LPG (P) Priedel und Klein Schulzendorf weiter.

Da die Betriebe allein nicht überleben konnten, versuchten sie einen gemeinsamen Neubeginn.

Ein Antrag auf "eingetragene Genossenschaft in Gründung" wurde am 11.11.1991 genehmigt und es entstand die Agrargenossenschaft Trebbin e. G.

Heute befinden sich in den Stallanlagen in Glau 800 Mastbullen.

 

Nach 1989 verschwanden die Schweine aus Glau.

Auch die Rinder in den privaten Ställen der Bauern verschwanden so nach und nach aus Glau.

 

Gerd Kauert übernahm 1990 einen Teil der Gebäude und des Grundstückes der LPG, den er schon 1984 von Willy Braune geschenkt bekommen hatte. Er meldete das Gewerbe "Pferdehof" an.

1991 machte er sich selbstständig und meldete eine Landwirtschaft an. Die Anlagen für die Schweinezucht wurden abgerissen und auf der alten Müllkute in  den Glauer Bergen entsorgt. Die alten Schweineställe wurden so umgebaut, dass Pferde dort untergebracht werden konnten. Mit einem Pferd begann die Pferdepension von Gerd Kauert. 2015 waren es 50 Tiere.

Ein zweites Standbein schuf er sich 1996 durch das Anschaffen von 19 Herford-Rindern. Diese Rinder, in Speerenberg gekauft, sollten ohne Stall auskommen und ganzjährig im Freien leben. Die Idee funktionierte und 2016 befanden sich auf den gepachteten Wiesen 71 Tiere.

 

2016 verkaufte Gerd Kauert sein Land und die Gebäude an die Familie Brandt, die schon in Boddelinsfelde ein Reitgut besitzt. Sie wollen den Reiterhof weiter ausbauen. Im Sommer 2016 fanden schon die ersten Reitlager mit interessierten Kindern in Glau statt. Ein Zelt musste für die Übernachtung reichen.

 

Begriffserklärung

 

LPG = Abkürzung für Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft 

Die LPGs entstanden in der DDR ab 1952 als "freiwilliger" Zusammenschluss von Bauern zur gemeinsamen Produktion als Genossenschaft. Das in die Genossenschaft eingebrachte Land wird gemeinsam bearbeitet, bleibt aber Eigentum der Bauern. Das Vorhaben von Partei und Regierung, Privateigentum von Land und Produktionsmitteln abzuschaffen, sollte in der Landwirtschaft durch möglichst umfassende "Kollektivierung" erreicht werden. Bis 1960 wurde durch massiven Propagandaeinsatz erreicht, dass nahezu alle landwirtschaftlichen Betriebe in einer LPG aufgegangen waren. Zur Beschleunigung und als vorgebliches Entgegenkommen wurden drei LPG-Typen geschaffen. Im (ursprünglichen) Typ III wurde Land und Vieh gemeinsam bewirtschaftet, im Typ I blieb die Tierhaltung in eigener Verantwortung, der Typ II spielte praktisch keine Rolle. 

In den 70er Jahren wurden zunächst alle LPG in den Typ III überführt. Dann arbeiteten diese zunächst in "Kooperativen Abteilungen" Pflanzenproduktion oder Tierproduktion wieder zusammen. Schließlich entstanden daraus die spezialisierten größeren LPG (P) und LPG (T). 

Für Aufgaben außerhalb des "Kerngeschäfts" gründeten die LPG eines Landkreises gemeinsame Unternehmen, so genannte zwischengenossenschaftliche Einrichtungen wie ZBO und ACZ.

 

Quellen:

http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?LPG

http://www.hardconn.de/t172.htm

Märkische Volksstimme Oktober 1983

Roland Vetter, Gerhard Holz, Peter Sobeck

 
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