DIE HEIMATGESCHICHTE DER TREBBINER ORTSTEILE

Vom Werden und Wachsen - Archiv zur Historie

 
Historische Aufnahme: Blick auf Trebbin vom Löwendorfer BergMarktplatz Trebbin mit Rathaus ©Antje PüpkeTrebbin Blick vom Kirchturm ©Jörg Roschlau

Wiesenhagen

 

Wirtschaft

Landwirtschaft und Handwerk

Bis 1971

 

Wiesenhagen ist traditionell eine landwirtschaftliche Gemeinde.

Durch die günstige Lage an der Bundesstraße 101 ist die Beschäftigung der Einwohner nicht einseitig geprägt. Die meisten Bürger arbeiten in Handwerks- und Industriebetrieben in den Städten und anderen Dörfern.

In Klein Schulzendorf bei der Agrargenossenschaft Trebbin e. G. sind einige Bürger beschäftigt.

Im Historischen Ortslexikon von 1976 ist eine Anlage eines Teerofens im Jahre 1719 verzeichnet. Es war vermutlich die Pechhütte im Hopfwinkel. Der Hopfwinkel gehörte als Wohnplatz zu dem Dorf Neuendorf. Dort wohnten 1890 vier Personen.

Dieser Platz befand sich in der heutigen Forst Scharfenbrück.

Diese Pechhütte ist am 25.08. 1894 abgebrannt. Die Beweispapiere dafür befinden sich noch heute in privaten Händen.

 

Das Katasteramt Zossen verfügte am 28.01.1895 keine neue Bebauung des Hopfwinkels. Der Besitzer, Ernst Kamann zog dann in das Dorf und war auch in den Adreßbüchern von 1911 und 1927 als Einwohner verzeichnet.

 

Neben den Bauern und Kossäten wurden 1858 andere Gewerbe genannt. Es waren 15 Hofeigentümer mit 27 Knechten und Mägden. Fünfzehn Landwirte mit drei Knechten und Mägden mußten sich noch nebenerwerblich ihr Einkommen verdienen. Ein Entgeld bekamen 17 Arbeiter, ein Schneidermeister und ein Geselle, sechs Zimmergesellen und ein Beamter.

 

Eine Chausseehebestelle befand sich im Jahre 1885 vor dem Haus in der Hauptstr. Nr. 40. In diesem ehemaligen Chausseehaus wurde mit Rechnung des Kreises Teltow Chausseegeld erhoben. Dort wohnte der Chausseeaufseher und zahlte eine Miete von 150 Mark bei einem Gehalt von 1200 Mark im Jahr 1891. Zur Beaufsichtigung der langen Strecken hatte er ein Dreirad.

 

Bis zu dem Chausseehaus wurde die HauptstraBe erst 1956 gepflastert. Für diese Befestigung der Straße hatte sich der Bürgermeister Goldschmidt stark engagiert. Die Bauern holten unter seiner Regie den Kies aus der Grube des Bauern Alfred Lehmann (in Richtung Woltersdorf, rechts an der B101). Dabei fanden einige Straßenarbeiter Wiesenhagener Mädchen besonders schön und sie wurden von ihnen geheiratet.

 

Bei einer Einwohnerzahl von 304 wurden 1860 an Grundsteuern 158 Taler, Klassensteuer 176 Taler und eine Gewerbesteuer von 7 Talern erhoben.

 

Im Teltower Kreisblatt von 1891 wurden drei Rentner mit ihrem Einkommen (Rente) veröffentlicht. Zwei Rentenempfänger bekamen monatlich 106,80 Mark und der andere 135 Mark.

 

Streifen schmal

 

Ausgeübte Berufe 1911 und 1927

Zusammenstellung aus den Adressbüchern

 

Berufsbezeichnungen 1911 1927
Bauerngutsbesitzer  8 5
Landwirte 3 18
Büdner 40 30
Arbeiter 3 16
Kossäth 4 2
Chausseewärter 1 1
Arbeiter einschließlich Eisenbahner 8 18
Gastwirte 1 2
Maurer 1 2
Schneidermeister 1 1
Förster 1 2
Lehrer 1 1
Handelsmann 0 1

 

Der Nachtwächter gehörte auch zum Dorf. Die Straßenlaternen löschte er um 22 Uhr. Bei Glatteis im Winter streute er die Gehwege. In den furchtbaren Nächten des zweiten Weltkrieges blieb auch er in seiner Wohnung. Nach 1945 wurden die schlafenden Wiesenhagener Einwohner nicht mehr bewacht.

 

Ein Milchkühler war im Milchkeller in der Hauptstraße Nr. 8 beschäftigt. Die Privatbauern brachten die Milch zum Kühlen, und gesammelt wurde 

sie dann verkauft. Mit der Gründung der LPG und den großen Milchautos wurde auch der Milchkeller nicht mehr benötigt.

 

Streifen schmal

 

Bauern

Für die Gründung der Städte und Dörfer im 13. Jahrhundert wurde vom Markgrafen ein Verpachter bestimmt, welcher in dessen Namen Bauern anwarb und ihnen nach deutschem Recht geeignete Landstriche zuwies. Dazu wurde die Grenze der zukünftigen Dorfflur von ihm vermessen. Für ein Kaufgeld der Bauern setzte dieser Locator die nötige Anzahl der Bauern ein. Eine Dorfflur wurde an 10 bis 12 Bauern verteilt. Jeder Bauer erhielt 1 bis 4 Hufen. Für seine Dienste bekam der Locator auch einen großen Landteil und besondere Rechte. Er bekam das Amt des Schulzen (Bürgermeister) und durfte die niedere Gerichtsbarkeit ausüben. Seinem Lehnherren (auch Lehnbauern) hatte er ein Pferd zu stellen. Auch hatte er das Recht, eine Mühle zu betreiben oder im Dorfkrug Bier auszuschenken.

 

Die Flächen waren nach der Rodung nicht sogleich für die Landwirtschaft ertragreich. So entstand daraus ein Spruch: „Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not und dem Dritten das Brot."

 

Es ist nun anzunehmen, daß Neuendorf auch auf diese Weise zu seinen Ortsgrenzen kam.

 

Neun Bauern sind im Jahre 1652 namentlich erwähnt. Diese mit Geburtsort „Newendorff unterm Ambt Trebbihn" hießen: Baltzer Reicke, Andreas Jänicke, Ertmann Schmedicke, Hans Jenicke und sein Bruder Andreas, Hans Jünick und sein Sohn Martin, Martin Ötken und sein Knecht Michel Wolter.

 

Der Acker mit seinen 13 Hufen wurde als mittelmäßig bezeichnet (Protokoll von 1703). In der königlichen Heide außerhalb des Dorfes ist im Historischen Ortslexikon 1745 ein Hammelstall dokumentiert. Die Gemeinde Neuendorf bestand 1803 aus 11 Bauern und 7 Kossäthen. In den 76 Haushaltungen von 1883 war folgender Viehbestand: 101 Pferde, 351 Rindvieh, 334 Schweine, 6 Ziegen, 6 Kaninchen, 1066 Federvieh, 19 Bienenstöcke, 80 Hunde.

 

Durch die Jahrhunderte hindurch war die Arbeit der Bauern immer mit schwerer körperlicher Anstrengung verbunden. Doch leider waren die Ernteerträge sehr gering, weil der Boden nicht sehr fruchtbar ist. Schon in den zwanziger Jahren sind sehr viele Familienväter bei der Eisenbahn beschäftigt gewesen. Mit dem Lebensunterhalt wäre es sonst sehr schlecht bestellt gewesen. War in Neuendorf ein Kind geboren, hat die Hebamme schon als zukünftigen Beruf Eisenbahner vorausgesagt.

 

Einen schriftlichen Befehl zur Pflichtablieferung der bäuerlichen Erträge bekam der Bürgermeister Dominick am 13. März 1947 von der Sowjetischen Administration.

 

Für Errichtung von neuen Gehöften wurde von der Landesregierung Potsdam im Dezember 1947 die Möglichkeit für Neubauern gegeben. In Wiesenhagen hat davon niemand Gebrauch gemacht, trotz einer Anzahl von etwa 25 Heimatvertriebenen.

 

Damit es eine gute Ernte wurde, sammelten die Schulkinder in den Sommerferien Kartoffelkäfer bei den Bauern auf den Feldern.

Auch in Wiesenhagen konnten durch die neue politische Lage vier Bauern ihre Landwirschaft nicht mehr betreiben. Sie zogen Anfang der fünfziger Jahre in die Bundesrepublik Deutschland und wurden dort seßhaft.

 

Die Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft war in Wiesenhagen im Jahre 1953 mit Namen „Walter Ulbricht". Niemand wollte sein eigenes Land und seine Arbeitskraft in die Genossenschaft einbringen.

Doch 1956 waren es bereits 19 Mitglieder und 1960 waren 108 Mitglieder in der LPG, welche 582 ha landwirtschaftliche Nutzfläche eingebracht hatten.

 

In der Dorfakademie in Wiesenhagen gab es 1962 ein Schulungsprogramm in der Landwirtschaft für die Mitglieder der Genossenschaft.

Auch war in der Presse (Märkische Volksstimme) in diesen Jahren viel über die Arbeit der Genossenschaft berichtet worden.

 

Eine Zusammenlegung der LPG von Klein Schulzendorf, Lüdersdorf und Wiesenhagen erfolgte dann 1971 (Sitz in Klein Schulzendorf).

 

Die Eigentümer haben ihre Acker- und Wiesenflächen verpachtet. Nur ein Wiedereinrichter und zwei Nebenerwerbslandwirte bewirtschaften in Wiesenhagen ihr eigenes und gepachtetes Land.

 
Modernes Wohnen in Thyrow ©Gertrud KlattPfefferfließ in Stangenhagen ©Jörg RoschlauKleinbeuthen ©Jörg RoschlauPusteblumen ©Jörg RoschlauSpielplatz in Wiesenhagen ©Gunnar PommereningKleinbeuthen - An der Nuthe ©Jörg RoschlauPontonbrücke in Großbeuthen ©Gunnar PommereningMärkisch Wilmersdorf mit Kirche ©Jörg RoschlauThyrow ©Gunnar PommereningOrtsmitte Stangenhagen ©Gunnar PommereningStangenhagen im Spiegel ©Jörg RoschlauFlugplatz Schönhagen ©Gunnar PommereningKlein Schulzendorf - Denkmal für die im Krieg Gefallenen ©Jörg RoschlauInnenhof der Kulturscheune Thyrow ©Gertrud KlattSchloss Schönhagen ©Gunnar PommereningHerbst ©Jörg RoschlauBlick auf Christinendorf ©Jörg RoschlauDer Vogelbeobachtungsturm in Stangenhagen ©Jörg RoschlauMohnfeld ©Jörg RoschlauHummel ©Jörg RoschlauFeldweg in Kliestow ©Gunnar PommereningStangenhagen - Winterliche Impressionen ©Jörg RoschlauIllusionsmalerei in Thyrow ©Gunnar Pommerening